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Anne Tyler und Ann Leary - Über starke Frauen im Alter

9. Sept. 2018
3 Min. Lesezeit

Zwei US-amerikanische Schriftstellerinnen, die zwei Jahrzehnte trennen, beide haben sie Bücher über starke Frauen geschrieben; zum einen die Geschichte der Willa Drake, die im Alter erfährt, was es heisst auszubrechen und selbstständig zu handeln, zum anderen die der skurrillen Hildy Good, alternde Immobilienmarklerin mit Hang zum Alkoholismus. Familie – das ist ja so eine Sache. In Rückblicken erinnert sich Willa an ihre manisch-depressive Mutter, die die Familie immer wieder über kürzere oder längere Zeit zurückliess; und ihr Vater, der scheinbar jede Laune der Mutter ertrug. Im Jetzt ist Willa selbst Ehefrau und (liebevolle) Mutter zweier Söhne; mit einem Mann, der zu Wutanfällen neigt und zwei grundunterschiedlichen Söhnen. Während einer Autofahrt führt das eine zum Anderen und Willa und Derek geraten in einen kleinen Disput. Dass das ausgerechnet im Auto passiert, trägt massgeblich zum Rest der Geschichte bei, denn Derekt fängt an zu rasen, lässt sich von einem anderen Fahrer provozieren und baut einen Unfall, bei dem er um’s Leben kommt.

Viel später kehren wir wieder ins Leben von Willa zurück; sie lebt in zweiter Ehe mit Peter und ihr Leben ist ruhiger geworden - bis ein Anruf aus Baltimore kommt. Fälschlicherweise wird Willa für die Grossmutter der neunjährigen Cheryl gehalten. Ihre Mutter Denise (Ex-Freundin von Willas Sohn Sean) wurde angeschossen und verbringe nun einige Tage im Spital, sie – die Anruferin und Nachbarin – könne sich nicht so lange um das Kind kümmern. Auch wenn ihr Mann nicht begeistert ist, zögert Willa keinen Moment zu dem Mädchen zu fliegen und auf sie aufzupassen. Der Aufenthalt birgt viele Überraschungen und lässt die zurückhaltende, stille Willa ihr Leben noch einmal von einer anderen Seite betrachten; nämlich, dass sie auch im Alter eine unabhängige Frau sein kann und es überhaupt nicht verkehrt ist, selbst Entscheidungen zu treffen – denn das ist etwas, das Willa bis dahin noch nie gut konnte.

Willa und Hildy Good könnten unterschiedlicher nicht sein; man sagt Hildy sogar nach, dass die Hexe Sarah Good ihre Vorfahrin war. Hildy ist Immobilienmarklerin an der Ostküste in Wendover; durch ihren Job bekommt sie Einblicke in so manches Familienleben und deren Geheimnisse, doch auch sie trägt ein Geheimnis mit sich rum: die Weinflaschen, die nach ihrem Entzug draussen im Auto lagern. Am liebsten trinkt sie ihren Alkohol seither alleine, geht im Mondschein baden - dann muss sie sich von ihren Töchtern auch keine Vorwürfe machen lassen. Als Hildy eines Tages einer reiche Bostoner Familie ein Grundstück verkauft, freundet sie sich mit der Besitzerin Rebecca an. Bald schon verbringen die beiden viele Abende miteinander, trinken das eine oder andere Glas Wein, teilen Einsamkeit und Geheimnisse. Aber ausgerechnet Rebeccas grösstes Geheimnis könnte diese Freundschaft zerstören… Die Alkohol-Blackouts, die sich häufen, ignoriert Hildy geflissentlich bis sie eines Tages eine grosse Schramme am Auto hat und der behinderte Nachbarsjunge über Nacht plötzlich verschwunden ist.

Während Ann Leary schon seit längerem als das «perfekte Sommerbuch» auf der Liste stand, hat mich Anne Tyler überrascht und begeistert.

Schon seit Jahren liegen zwei Bücher von Anne Tyler bei mir zuhause, «Launen der Zeit» habe ich geschenkt bekommen – es wird wohl nicht mein letztes Buch von ihr bleiben.

Die Romane konnten mich besonders durch dieses tragisch-komische gewinnen und am End wachsen einem die zwei Frauen irgendwie ans Herz. Beide Bücher lassen sich leicht lesen und sind eine schöne Sommerlektüre, aber keinesfalls zu unterschätzen.

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